Bild: Christian Kleemann
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Bad Tölz – Brennerpass – Jaufenpass – Bozen. Diese Stationen hatte ich für das letzte Wochenende auf dem Zettel. Fokus lag auf Gemütlichkeit, nicht auf Kilometerfressen oder Geschwindigkeit.

Da ich von Nürnberg aus in das Zielgebiet anreise, ist so eine Fahrt gleich immer ein “verlängertes Wochenende”. Auch dank der gering verfügbaren Fahrradplätze bei der Deutschen Bahn. Auch mit der Buchung von Fahrradstellplätzen ist die Deutsche Bahn nochimmer nicht in der Gegenwart angekommen, aber das ist ein anderes Thema.

Komoot + Wahoo = meine Liebe

Gut, “planen” muss man die Strecke nicht wirklich, macht aber doch Freude, wenn man die richtige Hard- und Software-Komination hierfür hat. Geplant habe ich die Route mit Komoot und Wahoo. Nach über fünf Jahren tiefem Garmin Edge 810 Tal habe ich es mir verdient, endlich problemlose Navigation zu genießen. Ich möchte auf meinen Wahoo Roam Affiliate-Link nie wieder in meinem Fahrradleben verzichten müssen. Eine absolute Empfehlung!

Bad Tölz: Tag 1, der Start

Um 10 Uhr kam ich Donnerstag morgen nach dreieinhalb Fahrstunden über München Hbf in Bad Tölz endlich an. 16°C und Nieselregen begrüßten mich, ideales Wetter zum Radfahren. Laut Wetter-App sollte es auch so bleiben. Gut. Dazu kommen wir später nochmal.

Etwas Gekurve durch den Ort, dann endlich an der Isar gelandet. Folgt man ihr und hat Lenggries hinter sich gebracht, geht es auch endlich mit Natur los. Die Menschen werden weniger und dank – sagen wir “zunehmenden Regen” – wurden auch die Motorräder immer weniger. Eigentlich hat es geschüttet wie aus Eimern. Meine Wetter App erzählte mir zu diesem Zeitpunkt noch immer etwas von Nieselregen.

Bei Lenggries habe ich mir übrigens einen Kaffee gekauft, dessen Becher die Aufschrift “Hey Kölle” trug. Sehr schön, ist nämlich die Heimat meines Herzens. Also Kölle meine ich.

1. Station: Sylvensteinspeicher

Am Sylvensteinspeicher hat man immer so das Gefühl, die erste Etappe ist geschafft. Viel Kilometer sind es nicht, aber man sieht das erste Mal so schön in die Berge. Vorausgesetzt, es schüttet nicht wie aus Eimern und es sind keine Wolken da. Egal: mein “erster Weitblick” wenn man aus dem Radweg-Tunnel kommt. Ich genieße ihn.

2. Station: Achensee

Bis zur Grenzüberfahrt Deutschland – Österreich geht es ein ganzes Stück an der Bundesstraße entlang, dann mal runter in den Wald (dort hatte ich mit dem Rennrad letztes Jahr meinen ersten Platten) und auf groben Schotter wieder rauf. Irgendwann – genau genommen nach dem Örtchen Achenkirch kommt dann der wundervolle Achensee. Ich liebe ihn: blaues kaltes Wasser, von Bergen eingerahmt. Eingerahmt war ich auch: vom Regen.

Hat man den Achensee hinter sich gelassen, kommt die erste von drei großen Abfahrten auf der Gesamtstrecke: von Maurach runter nach Jenbach im Inntal. Großartig. Die Straße haben sie im Sommer 2019 neu gemacht, da kannste gut runterdonnern. Bei Regen aber halt dann doch etwas langsamer.

Im Inntal angekommen wollte ich eigentlich auf einen kleinen Campingplatz in Pill. Nur: wenn es laufend regnet macht Camping auch keinen Spaß. Es ist halt doch dann alles nass und kalt, der Boden durchgeweicht … ne. Ab ins Hotel! Eine gute Entscheidung! Dort gab es nämlich eine schöne heiße Dusche, einen Fernseher, Bier und Essen. Genau richtig.

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Komoot Strecke

Rauf auf den Brenner: 2. Tag

Am zweiten Tag gab es eine kleine Wetteränderung: leichter Regen. Also habe ich meine Füße wieder in Plastiktüten gesteckt und mich auf den Weg durch das Inntal Richtung Aldrans gemacht. Pünktlich an der Kreuzung wo es links hoch geht, hörte es auf zu regnen. Halleluja!

Dann ging es stetig nach oben, dem Brenner-Radweg 33 entgegen der Ideen von Komoot gefolgt. Kommot wollte mich tatsächlich für ein kleines Stück auf die Brennerautobahn schicken. War mir dann doch zu riskant.

Ein herrlicher Weg: wenn man so langsam links vom Tal hochradelt, rechts die Brennerautobahn immer näher kommt – wundervolle Strecke.

In Gries am Brenner habe ich dann den Anker geworfen, als ich den Text “frischer Apfelstrudel mit Sahne” auf einer Kreidetafel entdeckte. Genau richtig: fünf Kilometer vor dem Pass nochmal ein schönes Stück Kuchen, einen heißen Kaffee und ein Glas eiskalte Cola. So gestärkt bin ich dann erst oben am Grenzstein wieder abgestiegen.

Vor der zweiten großen Abfahrt nach Sterzing via Gossensaß schön warm eingepackt, alle Packtaschen nochmal kontrolliert und ab die Post auf der Fahrradautobahn. Damit ich nicht zu schnell auf der alten Bahntrasse werde, hat es zur Sicherheit natürlich etwas geregnet.

In Sterzing angekommen bin ich dann hoch zu meinem Hotel gefahren und habe dort erstmal alle Nudelgerichte durchgetestet.

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Komoot Strecke

Jaufenpass: 3. Tag

Nach einem kleinen Frühstück habe ich meine Trinkflaschen aufgefüllt und mich auf den Weg gemacht: hoch auf den Jaufenpass. Ich war da oben noch nie und bin erstmal mit Respekt an die Sache rangegangen. Tut aber garnicht weh: 2,5 h langsam und gemütlich bergauf fahren. Kein Ding. Dafür dann am Pass der Krasse Weitblick. O war das schön!

Die Abfahrt habe ich auf Video aufgenommen. Sie war spektakulärer, als es auf so einem Video vermittelt werden kann. Ist ja meist so: Steigungen sehen auf Bildern immer auch total flach aus.

Das Video mit satten elf Minuten mag schnell langweilig wirken. Warum habe ich es dann gemacht? Weil ich mich bei der Abfahrt so konzentrieren musste, dass ich die schöne Landschaft garnicht genießen konnte. Auf dem Video kann ich das jetzt, muss nicht mehr auf die Straße gucken :-).

Kleines Video zur Abfahrt vom Jaufenpass

Nachdem ich im Passeiertal angekommen bin, habe ich noch ein paar schöne Kilometer in der Natur genießen können, bevor es auf den Schotter-Radweg entlang der Etsch neben fünfundelfzigtausend E-Bike-MTB Urlaubern ging. Ja, die wollen halt auch irgendwo fahren …

Abschluss in Bozen

Die rund 30 km nach Bozen gingen relativ schnell, anspruchslos und langweilig. Nach einem schönen Nachmittag mit Freunden aus Köln habe ich dann leider wieder nicht im Zelt schlafen dürfen: alle Plätze belegt. Da ich am nächsten Morgen um 10.34 Uhr den Zug zurück geplant hatte, habe ich mich dann für die Jugendherberge am Bahnhof entschlossen. Absolute Empfehlung: für einen schmalen Taler kriegst Du hier Übernachtung mit Frühstück.

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Komoot Strecke

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